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Maske in der Schule? Für Naomi Mbiyeya (11b) halb so wild.

Interview: Lernen mit Maske

Ab Montag gilt an den weiterführenden Schulen im Landkreis Diepholz Maskenpflicht. Was halten Schüler von Masken beim Lernen, und wie stehen sie zu Online-Unterricht? Um das herauszufinden, haben wir mit Naomi Mbiyeya (16) aus Twistringen und Robin Stubbe (18) aus Eydelstedt gesprochen.

 

Twistringen – Naomi ist Schülersprecherin des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums in Twistringen, und Robin ist stellvertretender Schülersprecher der Schule. Die Fragen stellte Katharina Schmidt.

Entsprechend der bisherigen Empfehlung des Landes Niedersachsen tragen Schüler und Lehrer bei euch schon seit den Herbstferien überall dort, wo die Mindestabstände nicht eingehalten werden können, Maske. Was haltet ihr von Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht?

Naomi: Am Anfang dachte ich: Okay, den ganzen Tag in der Schule Maske tragen, das wird vielleicht schon ein bisschen anstrengend. Aber im Nachhinein finde ich es richtig gut. Wenn es die Möglichkeit gibt, andere zu schützen, warum sollte man das dann nicht umsetzen? Schüler können bei uns auch zwischendrin problemlos mal fünf Minuten rausgehen. Die Maske absetzen, verschnaufen und dann wieder reinkommen.

 

Robin: Am Ende war es weit weniger dramatisch, als man es sich am Anfang vorgestellt hat. Letzten Endes ist es nur ein Stück Stoff.

Anders als im Frühjahr bleiben die Schulen jetzt offen. Wie findet ihr das?

Robin: In meinem Jahrgang stehen wir kurz vor dem Abitur. Ich glaube, dass man in der Schule definitiv mehr Stoff mitnimmt als zu Hause. Andererseits ist abzuwägen: Es ist eine sehr besondere Situation, und die Infektionszahlen steigen enorm.

Naomi: Man sieht, dass sich viele Schüler freuen, wieder zur Schule gehen zu können. Je länger man Homeschooling macht, desto geringer ist die Motivation, so früh aufzustehen und sich an den eigenen Tisch zu setzen. Auch wenn man manchmal zusammen mit Mitschülern über Videotelefonie die Aufgaben gemacht hat, könnte ich mir vorstellen, dass viele Präsenzunterricht bevorzugen und ihn jetzt mehr wertschätzen.

Robin: In Bezug auf die Jüngeren würde ich mich dem definitiv anschließen. Auch, weil das Argument im Raum steht, dass sich die Eltern ja irgendwie um das Kind kümmern müssen. Ältere können alleine zu Hause bleiben.

Gibt es Punkte, die am Online-Unterricht noch verbesserungsfähig sind?

Robin: Mir ist ausgefallen, dass sich sowohl Schüler als auch Lehrer nicht zu 100 Prozent mit der Onlinematerie auskennen. Da gab es teils ganz lustige Situationen. Doch prinzipiell hat es ganz gut geklappt. Aber es ist uns aufgefallen, dass sich nicht jeder Schüler immer direkt angesprochen gefühlt hat, aktiv teilzunehmen.

Naomi: Ich glaube, dass die Schulen jetzt viel tun, um stärker in der Digitalisierung zu werden. Ein Haken bei den Videokonferenzen war auch, dass manche Schüler, die weiter von der Stadt weg wohnen, natürlich nicht die beste Internetverbindung haben. Die konnten dann vielleicht ihre Kamera nicht einschalten, weil dann einfach alles nur hängen würde.

Robin: Und was uns aufgefallen ist, aber das ist gar nicht so der Technik geschuldet: Für Lehrer schien es schwierig einzuschätzen, wie viel man in 90 oder 60 Minuten Unterrichtszeit schafft. Für mich persönlich hat das ganz gut geklappt, aber ich hatte Klassenkameraden, von denen ich gehört habe, dass es relativ viel war und aus den 90 Minuten gerne mal 180 wurden. Wenn man die Aufgaben abgeben muss, gibt man sich schon viel Mühe.

Naomi: Man hat sich auf jeden Fall viel mehr Mühe gegeben! Manche Lehrer haben versucht, alles zu korrigieren. Da habe ich echt Respekt vor, das ist so viel Arbeit. Manche haben es auch so gemacht, dass sie nicht verraten haben, von wem sie sich die Sachen angeguckt haben, und man wusste nie, wann man drankommt. Das hat zur Folge, dass man natürlich immer Gas geben muss, was aber auch Sinn macht. Man möchte ja nichts verpassen.

Robin: Viele Leute haben sich deutlich verbessert, weil sie sonst vielleicht eher schüchtern waren und im Unterricht nicht viel gesagt haben, aber dafür beim Homeschooling gerne vier, fünf PDF-Seiten abgegeben haben und dadurch gezeigt haben, was sie können.

Als wir eben in den Raum gekommen sind, seid ihr schnurstracks zu den Fenstern gegangen, um sie zu öffnen. Wie handhabt das mit dem Lüften?

Naomi: Im 20-Minuten-Takt wird komplett gelüftet: Tür und Fenster werden für fünf Minuten aufgemacht.

Robin: Es gibt auch Lehrer, die haben 90 Minuten Fenster auf, wenn das für alle okay ist. Solange keiner zu sehr friert, ist das eigentlich eine gute Variante. Das Lüften wird gut umgesetzt und akzeptiert. Dann zieht man sich halt ‘ne dicke Jacke an. Erfroren ist bisher keiner.

Naomi: Manche, die vor dem Fenster sitzen, kommen sogar mit Decke zur Schule. Das finden die Lehrer aber auch nicht schlimm.

Corona schränkt die Freizeitangebote stark ein. Wie vertreibt ihr euch die Freizeit in der Coronazeit?

Robin: Tja, aufgrund der neuen Corona-Regeln kann ich wohl erst mal nicht mehr zum Sport. Es wird wohl wieder darauf hinauslaufen, dass wir wie in der ersten Phase viel online telefonieren, auch in Gruppen, die sonst nicht zustande gekommen wären, mit zehn, 15 Leuten aus einem Jahrgang. Gesellschaftsspiele kann man auch online spielen. Und es gibt klassische Sachen wie Backen. Irgendwie kriegt man die Zeit rum.

Naomi: Musikalische Menschen machen dann mehr Musik, und Künstler malen viel. Manche realisieren in solchen Zeiten auch, dass sie kochen können. Man findet immer neue Dinge, die man machen kann. Und die Sozialkontakte werden, wie Robin schon gesagt hat, durch Videotelefonate gehalten.

Maske in der Schule? Für Robin Stubbe (Jahrgang 13) und Naomi Mbiyeya (11b) halb so wild.
Maske in der Schule? Für Robin Stubbe (Jahrgang 13) halb so wild. © Schmidt

Was wüscht ihr euch angesichts der Pandemie von unserer Regierung?

Robin: Ich würde sagen, konsequente Maßnahmen, die aber individuell angepasster sind. Zum Beispiel bei den Schulen. Es gibt welche, bei denen es klappt und die gute Voraussetzungen haben, ich würde unsere da mit einschließen, und bei anderen ist das eben nicht so. Ähnlich sieht es bei der Gastronomie und Freizeitaktivitäten aus.

Naomi: Auch für Sportvereine kann diese Zeit hart sein.

Robin: Das ist uns auch schon aufgefallen nach dem ersten Mal, als alles dichtgemacht wurde. Als man in die Vereine zurückgekommen ist, fehlten auf einmal fünf oder sechs Leute, weil sie über diese zwei, drei Monate die Lust verloren haben. Oder diese Kontinuität nicht mehr hatten und dann einfach nie wieder gekommen sind.

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Robin: Das ist bestimmt ein nett gemeinter Versuch. Ich persönlich habe Weihnachten aber eh schon relativ abgehakt dieses Jahr. Viele Leute, mit denen man so geredet hat, werden kein großes Weihnachtsfest feiern.

Was denkt ihr über die neuen Corona-Regeln?

Naomi: Man hofft einfach, dass sich alle daran halten.

Für das Interview haben wir uns das Twistringer Gymnasium per Zufallsprinzip aus den Schulen im Landkreis herausgepickt.