
Unterstützt durch KI: Ludger Hamm (l.) und Schulleiter Peter Schwarze stellen eine KI-Lernplattform vor. © Kilian Beck
So geht das Gymnasium Twistringen mit KI um
Twistringen – Wenn Schülerinnen und Schüler ihre Talente entwickeln, dann müssen sie auch keine Angst vor den Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz (KI) haben. Dieses Fazit zieht Mathematik- und Informatiklehrer Ludger Hamm nach einem einstündigen Gespräch über den KI-Einsatz am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen.
Hamm und Schulleiter Peter Schwarze schildern, wie KI-basierte Lernprogramme bereits im Unterricht eingesetzt werden, wie ihr Beruf sich verändert, wie Schüler auf die schnellen Veränderungen der Digitalisierung vorbereitet werden und wie sie mit KI-generierten Hausaufgaben umgehen.
„Die Lehrkraft ist als Bezugsperson nicht zu ersetzen“, betont Schwarze. Es sei gut belegt, dass Beziehungen eine wichtige Säule des Lernprozesses sind, erklärt Hamm. „Ich würde mir etwa kein Erklärvideo mit KI generieren lassen“, so der Mathematik- und Informatiklehrer weiter. Einen Lehrer vor der Klasse, der sich überlegt hat, was er vermitteln möchte, könne keine KI ersetzen. Da sind sich Schwarze und Hamm, die gemeinsam auf 50 Berufsjahre kommen, sicher. Hamm ist einer von 80 medienpädagogischen Beratern in Niedersachsen und bildet Kollegen fort.
So wird KI im Unterricht eingesetzt
Wozu KI aber am Twistringer Gymnasium bereits eingesetzt wird, ist differenziertes Lernen – also die Übung von Erlerntem im eigenen Tempo. Für den Mathematikunterricht wird seit etwa zwei Jahren ein KI-basiertes Programm verwendet, das Schülern individuell zugeschnittene Aufgaben vorgibt und auch Fehler korrigiert. Darüber hinaus könne das Programm auch unterschiedliche Wege zur Lösung einer Aufgabe aufzeigen, schildert Schwarze. Je nach Wissens- und Könnensstand der Schüler schlage das Programm dann passende Aufgaben vor, um das Niveau langsam zu steigern. „Das ist eine gute Unterstützung für Übungsphasen“, führt er aus. Die Fehleranfälligkeit ist gering und die Kollegen zufrieden. Schwarze unterrichtet ebenfalls Mathematik. Darüber hinaus würde er sich noch weitere Schul-KIs wünschen, um weniger auf kommerzielle Programme zurückgreifen zu müssen. Da sei auf Landesebene auch gerade einiges in Vorbereitung.
Allgemein wandele sich der Beruf des Lehrers seit Jahren – das werde durch KI nur noch weiter beschleunigt: „Die Zeiten, in denen der Lehrer Meister seines Faches war, sind vorbei“, sagt Hamm. Vielmehr würden er und seine Kollegen zu Lernbegleitern – und manchmal lerne man eben auch mit den Schülern. Besonders wenn es um neue Entwicklungen gehe, und davon gibt es ja immer mehr. „Schule ist Teil der sich verändernden Gesellschaft“, wirft Schwarze ein.
Um Schüler auf eine immer schneller werdende Welt vorzubereiten, werde im KI-Bereich auch auf technische Basiskenntnisse gesetzt, betont Hamm. Dabei soll vermittelt werden, wie KI-Sprachmodelle wie ChatGPT funktionieren.
Kurz umrissen: Auf Basis von Trainingsdaten bilden die KI einen Durchschnitt aller möglichen Antworten auf Fragen, die ihr gestellt werden. So hängt das Ergebnis, das die KI auswirft, unter anderem von der Qualität der Trainingsdaten ab. Davon ausgehend werde dann erklärt, wie KI auch falsche Ergebnisse auswirft. Im Politik-, Erdkunde- und Religionsunterricht, so Hamm, werde dann auf die davon ausgehenden Gefahren von Desinformation, Falschnachrichten oder auch gefälschten oder irreführenden Bildern durch KI eingegangen.
Gedankenaustausch über KI
„Die Digitalisierung bietet exponentielle Chancen und Risiken“, fasst Schwarze zusammen. Um damit umzugehen, hat Hamm Kollegen, die sich mit Medienbildung, Politik, Informatik und Lehrerfortbildung beschäftigen, zum Gedankenaustausch über KI zusammengebracht. Ideen aus dieser Runde werden dann in die übrigen Gremien getragen. Im Herbst sei dann ein vertiefter Schulmedientag zu KI für die Schüler angedacht, so Schwarze.
Und natürlich, das Klischee von Schülern, die ihre Hausaufgaben von ChatGPT oder anderen KI-Hilfsmitteln erledigen lassen, muss diskutiert werden: „Die grundsätzliche Problematik ist nicht neu“, betont Hamm. Früher hätte sich mancher ein Referat aus diversen Wikipedia-Artikeln wortgleich zusammengeklaubt, nun bekommt er es fertig aus der KI. Der Lerneffekt sei in beiden Fällen gering. Da aber seit jeher nur die Präsentation von Hausaufgaben bewertet werde, sei das immerhin bei der Benotung kein Problem. Deshalb, so Schulleiter Schwarze, sei es nun an der Schule, auch andere, interaktivere Prüfungsformen zu entwickeln.

Seit zwei Jahren setzt das Twistringer Gymnasium eine KI-Plattform ein. © Kilian Beck


