Haben als Schulsozialpädagoginnen an Gymnasien im Landkreis viel zu tun: (v.l.) Maria Stenner-Dieckmann aus Twistringen, Ingrid Langkau aus Syke, Ute Fischer aus Diepholz und Anja Jannsen-Fehr aus Sulingen. - Foto: Anke Seidel
Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Die Bauchschmerzen scheinen unerträglich zu sein – der Druck ganz genauso: Dass schon Fünftklässler aus Angst vor Klassenarbeiten nicht zur Schule kommen können, ist Alltag für vier Schulsozialpädagoginnen an den Gymnasien im Landkreis Diepholz.
Sie kümmern sich um Jungen und Mädchen, die völlig überfordert und schulmüde sind – oder die Trennung der Eltern verkraften müssen, womöglich einen Todesfall in der Familie. „Das sind richtig haarige Erfahrungen“, sagt Maria Stenner-Dieckmann, Schulsozialpädagogin am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Twistringen.
Ihre Kolleginnen Ingrid Langkau (Gymnasium Syke) sowie Anja Jannsen-Fehr (Sulingen) und Ute Fischer (Graf-Friedrich-Schule Diepholz) pflichten ihr bei: „Schulabsentismus gibt es häufiger, als man denkt.“ Die Schulsozialpädagoginnen an den Gymnasien stellen einen zunehmenden Leistungsdruck fest, unter dem Jungen und Mädchen leiden. Erbrechen, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme seien die Folge: „Wenn die Noten dann schlechter werden, geht es schnell in Richtung Schulverweigerung.“ Würden Eltern dieses Verhalten auch noch unterstützen, „dann wird es schwierig für uns“, sagt Maria Stenner-Dieckmann.
Depression schon in Klasse drei
Allerdings gebe es auch Kinder, die sich selbst extrem unter Druck setzen. Grundsätzlich sei festzustellen, dass psychische Erkrankungen bei Schülern zunehmen. „Schon Grundschüler in der dritten Klasse erkranken an Depressionen“, so Maria Stenner-Dieckmann.
Mobbing, ergänzt Ingrid Langkau, gehöre ebenso zur Realität – beispielsweise dann, wenn jemand aus der WhatsApp-Klassengruppe ausgeschlossen werde. „Es kommt auch vor, dass Kinder nicht in den Bus einsteigen mögen“, fügt sie hinzu. Und ihre Sulinger Kollegin betont: „Es gibt auch Eltern, die ihre Kinder tagsüber brauchen – als Übersetzer.“
Die vier Frauen wissen, wie schwer der Schulalltag für Flüchtlingskinder sein kann. „Oft landen sie ohne Zeugnisse am Gymnasium und sind schwer einzuschätzen.“ Auffällig sei, dass viele dann auf eine andere Schule zurückgestuft werden müssten.
Lernförderung für Flüchtlinge und für Schüler aus Osteuropa zu organisieren, sei eine wichtige Aufgabe, so Ute Fischer. Dafür müssten passgenaue Lösungen gefunden werden – in Zusammenarbeit mit Förderkräften der Volkshochschule oder mit qualifizierten Schülern.
Oft helfen die Schulsozialpädagoginnen den Flüchtlingen beim Ausfüllen der Anträge. Denn sie sind auch für Leistungen aus dem Paket Bildung und Teilhabe zuständig – und damit für die Organisation von Unterstützung, von der Kinder aus bedürftigen Familien profitieren können. Vor Klassenfahrten, Ausflügen oder Weihnachtsmärchen häufen sich die Anfragen, wie die Schulsozialpädagoginnen berichten: „Dann stehen viele Schüler vor unserer Tür.“
Maria Stenner-Dieckmann ist bei der Schulstiftung für das Gymnasium Twistringen angestellt – mit 25 Stunden pro Woche. Ihre drei Kolleginnen aus Syke, Sulingen und Diepholz haben je eine halbe Stelle. Ihr Arbeitgeber ist Bethel im Norden, wobei der Landkreis Diepholz das Geld zur Verfügung stellt.
Einen Herzenswunsch teilen alle vier: mehr Zeit für ihre Arbeit. „Wir können gar nicht alles abarbeiten“, sagt Ingrid Langkau. Denn auch Sucht- und Gewaltprävention gehöre zu ihren Aufgaben – ebenso das Soziale Lernen. Ganz zu schweigen von der Beratung von Jungen und Mädchen, der Einzelfallhilfe. „Mindestens eine Vollzeitstelle“ sei deshalb wichtig. Maria Stenner-Dieckmann würde sich – im Interesse der Jungen – einen männlichen Kollegen wünschen.
Kontakt mit den Eltern
Genauso wichtig ist den Schulsozialpädagoginnen der Kontakt mit den Vätern und Müttern. „Kinder lernen am Modell ihrer Eltern“, betonen sie. „Ich habe viele Eltern, die einen Rat haben möchten“, berichtet Anja Jannsen-Fehr und fügt hinzu: „Uns wird viel Vertrauen entgegengebracht.“ In manchen Fällen würden sich die Schulsozialpädagoginnen wünschen, „dass Eltern ihren Erziehungsauftrag mutiger leben“.