Eigentlich war es überhaupt nicht geplant, dass ich einen Austausch machen sollte.
Irgendjemand hatte spontan die Idee: Hast du da Lust zu? Ja, warum eigentlich nicht!
Nur eine Woche später fand das Treffen mit der Beraterin vom Austauschprogramm statt.
Nun noch schnell die Bewerbungsmappe für die ``Ballenas Secondary School`` fertig gemacht und am 2. September 2009 sollte der Flug losgehen.
Der Abschied fiel mir eigentlich gar nicht schwer, denn ich wusste, dass ich zu Weihnachten wieder da sein würde.
Von Hamburg über London ging es dann nach Vancouver, um von da aus mit einem ziemlich kleinen Flugzeug nach Vancouver-Island zu fliegen. Dort sah ich meine Gastfamilie zum ersten Mal.
Auf dem Weg zu meinem vorübergehendem Zuhause in Parksville erfuhr ich, dass mein 15-jähriger Gastbruder ein begeisterter Hockeyspieler ist und meine beiden Gastschwestern in Vancouver studierten.
Die ersten Wochen, in denen ich mich erst noch einleben musste, gingen sehr schnell vorüber. Meine Gastfamilie machte mit mir ein paar Bootstouren zum Angeln und zum Wasserskifahren. Außerdem zeigten mir meine Gasteltern Victoria, dies ist die Hauptstadt von British Columbia, und Vancouver.
Auch die Schule organisierte einiges für die Austauschschüler, die aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen kamen. Diese Veranstaltungen waren meistens sehr gut, denn die ca. 80 Austauschschüler hatten alle das gleiche Interesse andere kennen zu lernen. So entstand unter den Austauschschülern eine Clique, in der aber auch ziemlich viele Deutsche waren.
Um etwas mehr unter den Kanadiern zu sein, bin ich dann irgendwann zu den ``Wahlers``, dem Footballteam unserer Schule, gegangen. Damit hatte ich aber auch keinerlei Freizeit mehr, denn das Team trainierte jeden Tag in der Woche drei bis vier Stunden lang außer Donnerstags.
Hinzu kam jeden Samstag ein Spiel. Das Gute war, dass man durch das viele Training und den Einsatz für das Team der Schule unter den Schülern und Lehrern viel Anerkennung erfuhr. Der zweite Monat verging ausschließlich mit Football.
Als dann im November das Team Winterpause hatte, machten auch schon die Lifte eines nahe gelegenen Skigebietes auf. Dorthin fuhr ich mit den anderen Austauschülern ein paar Mal.
Das waren die letzten Wochen von meinem Auslandsaufenthalt und die vergingen leider auch dementsprechend schnell.
Zum Abschluss organisierte die Schule eine Skifahrt zum Berg ``Wisthler``, dem Skigebiet in dem die olympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Die drei Tage Skifahren waren einfach super!
Dann musste ich mich auch schon von all den neuen Freunden verabschieden, denn am 15. Dezember kam mein Vater, um mich abzuholen. Ich vermisste Kanada schon bevor ich es verlassen hatte, freute mich aber auch sehr darauf, wieder nach Hause zu kommen.
Mein Vater und ich verbrachten noch eine herrliche Woche in British Columbia. Am 22. Dezember ging für uns beide der Flug zurück, und die vier Monate Kanada waren vorüber.

An Kanada faszinierte mich zum einen die Offenheit und die Freundlichkeit, mit der die Menschen dort aufeinander zugehen, zum anderen die Anteilnahme aller am Sport. Aber besonders beeindruckte mich die Begeisterung die Eltern und Schüler für die Schule und den Schulsport empfanden.
Zum Schulsystem:
Die Schule ist auch ganz anders gegliedert als hier. So gibt es in Kanada nur eine Gesamtschule auf der jeder nach zwölf Jahren das Abitur erwirbt. Auch der Tagesablauf ist anders, denn ab der achten Klasse wählen die Schüler ihre Kurse. Unter diesen gibt es Pflichtkurse, z.B. Mathe oder Englisch, und sehr viele freiwillige Zusatzfächer, wie z.B. Gitarrenunterricht, das Erwerben des Führerscheins oder handwerkliches wie Motorentechnik und Tischlerarbeiten. Diese Unterkurse sind sehr gut besucht, denn da es nur einen einheitlichen Schulabschluss gibt, müssen sich die Schüler durch Eigeninitiative von der Menge abgrenzen. Im Kurssystem hat jeder Lehrer seinen festen Klassenraum, in dem er vormittags unterrichtet und nachmittags oft Nachhilfeunterricht gibt. Es gibt auch nur sehr kurze Ferien, stattdessen können sich die Schüler, mit Einverständnis der Eltern jederzeit frei nehmen, solange das Bestehen der Kurse gesichert ist. Alle Leistungen für die Beurlaubung müssen in dieser Zeit vor- oder nachgereicht werden. Dieses stellt auch kein Problem dar, denn es gibt in der Schule keine mündlichen Leistungen. Alle Leistungsnachweise sind schriftlich, in Form von kontrollierten Hausaufgaben und vielen Kurztests.
Fazit:
Zum Abschluss kann ich nur sagen, dass ich meinen Auslandsaufenthalt in der ganzen Zeit nie bereut habe und jedem, der die Möglichkeit zu einem Austausch hat, dazu rate, diese Chance zu nutzen.