Fastfood, Football und eine gute Packung „Erlebnis“

„Let's go, Mooney“ ist ein Satz, den ich hier fast täglich höre. Warum? Weil ich fast am anderen Ende der Welt bin, in Youngstown, Ohio, an der katholischen Privatschule Cardinal Mooney High School in Amerika. Und auch wenn ich es nicht glauben kann, dass schon seit fast 5 Monaten! Ich habe hier so einiges an Erfahrung gesammelt- positiv als auch negativ- und bin jetzt schon fast am Ende meiner Reise. Aber lasst mich von vorne beginnen...

Am 19. August waren meine 2 Koffer á 23 kg, die meinen Lebensinhalt für die nächsten 5 einhalb Monate darstellen, fertig gepackt und es konnte endlich los gehen. Nach einem tränenreichen, anstrengenden Abschied von meiner Familie in Bremen, verlief mein erster kleiner Flug nach Paris sehr gut, bis mir dann aber kurz vor meiner Weiterreise nach Pittsburgh das Herz in die Hose rutschte: Man wollte mich nicht ins Flugzeug lassen, da mir das sogenannte Vorvisum I-20 fehlte. So verbrachte ich eine Nacht in einem Hotel in Paris, begleitet von einer Stewardess. Das hatte aber auch etwas Positives an sich, weil mich die Stewardess überall hinter die Kulissen gebracht hat und ich so mal einen richtig schönen Einblick in den Beruf, der mich irgendwie schon immer interessiert hat, weil ich gerne fliege, bekommen habe. Über Nacht hat meine Ma mir dann das fehlende Formular per UPS-Kurier geschickt und es konnte endlich weitergehen am nächsten morgen. Ihr glaubt nicht, wie glücklich ich war, als ich endlich meine amerikanische Familie im Flughafen in die Arme schließen konnte! Da ich alle meine Verwandten schon mal getroffen hatte- von Rick (meinem Gastvater), Carly und Cara (meinen Schwestern), Steff (meiner Gastmutter) bis zu Bernie und Sue (meinen Gastgroßeltern)- verlief alles ganz locker und wir fingen gleich an, uns zu unterhalten und auszutauschen.

Gleich in meiner ersten Woche habe ich mich gefragt, ob ich mich an bestimmte Sachen überhaupt irgendwann mal gewöhnen würde, wie zum Beispiel das viele Autofahren mit meinen Schwestern- Führerschein gibt’s ab 16 und öffentliche Verkehrsmittel habe ich hier nicht gesehen- sowie diese typisch amerikanische Ordnung in der die Straßen und die Häuser angeordnet sind. Als dann noch ein gelber Schulbus an mir vorbeigefahren ist, hatte ich endgültig das Gefühl, in einem amerikanischen High-School-Film gelandet zu sein...

In der prallen Sonne hier habe ich dann die letzten Ferientage genossen, bis die Schule anfing. Erster Unterschied war die Schuluniform, an die ich mich nach den ersten Tagen jedoch gewöhnen konnte und mittlerweile super finde. Und dann traf ich natürlich auf eine ganze Menge neue Leute, die mich super interessant fanden- wann kommt schon mal eine Austauschschülerin aus Deutschland?! Aber alle waren supernett und sehr freundlich. Es fiel mir jedoch ein bisschen schwer, so unbeschränkt und frei zu sprechen, wie ich es normalerweise gewohnt bin- da war die Sprache, mit der ich sehr gut klar kam, nicht der einzige Faktor (und wer mich kennt, weiß, dass ich sehr offen bin). Was mir jedoch auf Anhieb gefallen hat, war mein Stundenplan und die wunderbare Auswahl an verschiedensten Fächern, die ich wählen konnte: Astronomy, Photography, Woodshop, Gym, Choir, Drama und natürlich die normalen Standartfächer. Mein Stundenplan, bestehend aus 2 Fächern die je 9 Wochen und zwei Fächern die je 18 Wochen gehen (ein halbes Jahr ist unterteilt in 2 Quarter), enthielt dann jeden Tag 4 Fächer: Im ersten Quarter Drama (Schauspiel), Choir, Religion 1 und English; im zweiten Quarter Photography, Choir, Religion 2 und wieder English. Das System finde ich super, da man sich innerhalb der 4 Quarter im ganzen Schuljahr individuell auf die nur 4 (statt in Deutschland 12) Fächer, die man zur selben Zeit hat, konzentrieren kann. Da High School allerdings Haupt, -Realschule und Gymnasium in eins ist, war ich nicht besonders gefordert, da das Niveau relativ niedrig ist, solange man keine 'honours' Fächer hat. Ungewohnt war außerdem der tägliche Start des Schultages, da wir uns jeden morgen der amerikanischen Flagge in jedem Klassenraum zuwenden und die Amerikanische Hymne- die ich mittlerweile auswendig kann- anhören mussten.

Außerdem gibt es hier auch an sportlichen Angeboten nicht gerade wenig! Bei Football, Basketball, Volleyball, Golf, Cheerleading, LaCrosse und weiteren Sportarten ist für jeden was dabei. Da Footballsaison immer im Herbst ist, musste ich nicht lange warten, bis ich zum ersten Spiel konnte. Ich war geschockt, als ich im Stadion ankam und in die großartige Stimmung geplatzt bin- Football ist einfach alles hier! Unsere Spieler sind die Kings der Schule und die Schüler tillen einfach aus. Für jedes Spiel gibt es ein Thema, zu dem sich die Seniors (Jahrgang 12) besonders, aber auch wir Sophomores, Freshmen und Juniors (Jhrg. 10, 9 und 11) anziehen. So eine geniale Stimmung habe ich noch nirgendwo erlebt- was für ein school spirit!

 

Natürlich habe ich auch andere aufregende Sachen außerhalb von der Schule erlebt. Einen Strand gibt es hier in Ohio zwar nicht, aber dafür war ich gleich in den ersten Wochen mit den Caranos- meiner Familie- auf dem Eriesee segeln, bin nach Little Italy in Cleveland gefahren und habe mehrere Shoppingtouren nach Beachwood gemacht.

Nach einigen Wochen wurde ich auch selbstsicherer, habe mich getraut auf mehrere Leute zuzugehen und letztendlich meinen eigenen Freundeskreis aufgebaut. Ein besonderes Erlebnis mit meiner guten Freundin Selina (links im Bild, in der Mitte ist Cara) war ein Chorkonzert, an dem mehr als 8 Schulen teilgenommen haben und wir insgesamt drei Stücke mit mehr als 200 Schülern und einem professionellen Dirigenten aufgeführt haben. Jetzt hat hier die Basketballsaison angefangen, die fast genauso crazy wie die Footballsaison ist- bloß in der Halle. Und ich habe die englische Sprache kennen und lieben gelernt!

Wie ihr seht, bin ich hier super glücklich und genieße meine Zeit! Ich freue mich, so viele tolle Erfahrungen machen zu dürfen, die mein Leben bereichern. Auch wenn ich mich schon auf meine Familie und Freunde zu Hause freue, zähle ich traurig meine letzten Wochen hier. Mir sind alle sehr ans Herz gewachsen und es wird schwierig werden, das alles zurück zu lassen. Das hier war also bestimmt nicht mein letzter Besuch in den USA! ;)

 

Ganz liebe Grüße, Luise

 

P.S.: Das mit dem Fastfood ist nicht ganz so schlimm, wie ich gedacht habe. Ich habe aber trotzdem meinen neuen Favoriten- Taco Bell- gefunden! :)